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Der Landkreis Düren im Wandel

Der demografische Wandel hat unterschiedliche Facetten und verändert unsere Gesellschaft nachhaltig: Bevölkerungswachstum und -rückgang kennzeichnen ihn ebenso wie die Alterung der Bevölkerung mit tiefgreifenden Veränderungen der Altersstruktur vor Ort. Besonders spür- und erlebbar ist dieser Prozess in den Städten, Landkreisen und Gemeinden. Dabei sind diese unter Umständen ganz unterschiedlich stark von den Auswirkungen des demografischen Wandels betroffen.

Trotz der unterschiedlichen Ausgangssituationen verbindet viele Gebiete in Deutschland eine zentrale Frage: Wie kann es gelingen, die eigene Kommune demografiefest zu machen? Was der Begriff demografiefest im Einzelfall bedeutet, hängt wiederum von den jeweiligen  Gegebenheiten vor Ort ab und erfordert eine individuell abgestimmte Gesamtstrategie für die verschiedenen Gebietskörperschaften.

Trotz eines Geburtenanstiegs im letzten Jahr und einer Bevölkerungszunahme ist eine gravierende Veränderung der Altersstruktur im Kreis Düren zu verzeichnen: Während Vorausberechnungen zufolge der Anteil jüngerer Menschen bis zum Jahr 2025 abnehmen wird, wird der Anteil älterer Menschen in einem Alter von 65 bis unter 80 Jahren sowie hochaltriger Menschen in einem Alter von 80 Jahren und älter enorm ansteigen. Bei dem Anteil der Hochaltrigen wird eine Zunahme von mehr als 30% erwartet.

Aus diesem Grund wurden innerhalb der Kreisverwaltung verschiedene Maßnahmen in die Wege geleitet, um den demografischen Wandel im Kreis Düren aktiv zu gestalten. Im Jahr 2015 wurde die Aufgabenstruktur innerhalb der Kreisverwaltung optimiert und das Thema Demografie als eigenständiger Komplex im Amt für Demografie, Kinder, Jugend, Familie und Senioren gebündelt. Zeitgleich wurde eine Demografiebeauftragte des Kreises Düren benannt. Bereits zuvor hatte sich in der Kreisverwaltung Düren das „Ämterübergreifende Kompetenzteam Demografie“ gebildet, um eine querschnittliche Betrachtung des Themas zu gewährleisten.

Das Projekt „Demografiewerkstatt Kommunen“

Um den Kreis Düren demografiefest zu machen, nimmt dieser als eine von bundesweit acht Gebietskörperschaften im Zeitraum 2016 bis 2020 an dem Projekt „Demografiewerkstatt Kommunen“ (DWK) des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) teil. Gefördert wird das Projekt von dem BMFSFJ und von der Deutschen Fernsehlotterie. Es wird unterstützt vom Deutschen Landkreistag. Darüber hinaus wird es begleitet und umgesetzt von der Geschäftsstelle DWK beim Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V. Die systematische Beschreibung und Evaluation der Prozesse übernimmt die Forschungsgesellschaft für Gerontologie e.V./Institut für Gerontologie an der TU Dortmund.

Zielsetzungen

Zur Entwicklung einer Gesamtstrategie werden in der DWK in der fünfjährigen Beratungs- und Unterstützungszeit übergeordnete Ziele verfolgt:

  •  Erarbeitung von Handlungsansätzen und eines methodischen „Werkzeugkoffers“, der bestehende sowie neue demografierelevante Angebote, Dienstleistungen und Maßnahmen („Werkzeuge“) beinhaltet, die auch auf andere Kommunen übertragbar sind,
  •  Anstoßen konkreter Projekte in den kreisangehörigen Kommunen sowie das Einbeziehen vorhandener Initiativen und
  •  Begleitung und Etablierung politischer und administrativer Prozesse.

Am Ende des Projekts sollen sich Strukturen und Prozesse nachhaltig gefestigt haben und auf weitere Kommunen – mit ähnlichen Herausforderungen – übertragbar sein. Im Einzelnen soll erreicht werden, dass sich die Selbstständigkeit und Eigeninitiative der Menschen bis ins hohe Alter verbessert, sich die Partizipation und Potenzialentfaltung der Jugend verstärkt, sich die partnerschaftliche Vereinbarkeit von Familie und Beruf steigert, Diversity als selbstverständliche Querschnittsaufgabe verstanden wird und die gewonnenen Erkenntnisse in die Demografiestrategie der Bundesregierung eingespeist werden.

Prozess der Strategieentwicklung

Die Gegebenheiten vor Ort sind im Kreis Düren sehr unterschiedlich. Mit der Erstellung des Kommunalprofils wurde deshalb eine umfassende Bestandsaufnahme für das gesamte Kreisgebiet verfasst. Diese wurde in Zusammenarbeit mit dem „Ämterübergreifenden Kompetenzteam Demografie“ sowie mithilfe der Forschungsgesellschaft für Gerontologie e.V./Institut für Gerontologie an der Technischen Universität Dortmund erstellt. Das Kommunalprofil des Kreises Düren enthält Informationen zur Bevölkerungs-, Versorgungs- und Lebenssituation sowie zu bestehenden demografierelevanten Prozessen und Initiativen im Kreis.

Anhand dieser Basis wurden fünf Handlungsfelder identifiziert, die im Landkreis Düren als erstes bearbeitet werden:

  •  Fachkräfte fördern, halten & gewinnen,
  •  Bildung ermöglichen & stärken,
  •  Gesellschaftliche Teilhabe bewirken & festigen,
  •  Mobilität und (Nah-)Versorgung gewährleisten,
  •  Leben und Wohnen gestalten.

Im Rahmen der Auftaktveranstaltung „Zukunftswerkstatt Kreis Düren“ zum DWK-Projekt im Oktober 2017 beschäftigten sich rund 130 Teilnehmer aus Politik und Verwaltung sowie lokale Akteure aus dem Kreisgebiet mit diesen zentralen Handlungsfeldern. Gemeinsames Ziel der Veranstaltung war es, konkret über die Gestaltung der Infrastruktur in den kreisangehörigen Kommunen nachzudenken, um den Kreis Düren langfristig attraktiv zu gestalten. Zu den Handlungsfeldern wurden Zukunftsbilder erarbeitet, die aufzeigen, wie sich der Kreis Düren bestmöglich im entsprechenden Handlungsfeld entwickeln kann. Darüber hinaus wurden bestehende Projekte und Maßnahmen – hier Werkzeuge – erfasst sowie neue zur erfolgreichen Umsetzung der Zukunftsbilder vorgeschlagen. Die ermittelten Werkzeuge werden in einem Werkzeugkatalog veröffentlicht. Der Katalog wird der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und bietet allen, die an der Umsetzung konkreter Projekte interessiert sind, wertvolle Anregungen und Informationen und gibt zudem Hilfestellung bei der Realisierung bestehender oder neuer Werkzeuge im eigenen Umfeld oder Zuständigkeitsbereich.

Vor dem Hintergrund der Überalterung der Bevölkerung im Kreis sowie für die gelingende Entwicklung einer Gesamtstrategie ist es bedeutender denn je, Kinder und Jugendliche zu beteiligen und sie als gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Zukunft zur Gestaltung ihrer Umwelt anzuregen. Aus diesem Grund wurden junge Menschen im Landkreis Düren im Rahmen des Pilotprojektes „Schule meets Demografie“ mit Schülern des Gymnasiums der Gemeinde Kreuzau von Beginn an und gezielt in die Erarbeitung einer ganzheitlichen Demografiestrategie für den Kreis Düren einbezogen. Ihre Ergebnisse stellten einige Vertreter im Rahmen der Zukunftswerkstatt Kreis Düren vor.

Der Werkstattplan

Ziel des Vorgehens ist die Erstellung eines Werkstattplans gemeinsam mit den kreisangehörigen Gemeinden. Dabei handelt es sich einerseits um ein Instrument zur langfristigen, strategischen Ausrichtung. Andererseits dient der Werkstattplan auch zur detaillierten Planung einzelner Maßnahmen in kleinen Schritten. Somit entsteht ein sehr gutes Instrument zur Entwicklung einer ganzheitlichen Strategie auf dem Weg zu einem demografiefesten Kreis. Die im Werkzeugplan beschriebenen Einzelmaßnahmen, werden dem entsprechenden Handlungsfeld zugeordnet. Hier werden auch ein grober Zeitplan zur Umsetzung der Projekte in Jahresschritten, konkrete Ansprechpersonen, der jeweilige Umsetzungsort sowie Beteiligte aufgezeigt. Zur Abbildung einer Gesamtstrategie wird der Werkstattplan zusätzlich durch laufende demografierelevante Maßnahmen ergänzt.

Generationen im Blick

Neben der Einbindung von jungen Menschen zur erfolgreichen Entwicklung einer Gesamtstrategie ist es genauso bedeutsam, die Bedürfnisse der älteren Menschen im Kreis Düren – als stärkste wachsende Bevölkerungsgruppe – wahrzunehmen und gezielte Schritte in die Wege zu leiten. Aus diesem Grund bietet der Kreis Düren seit vielen Jahren verschiedenste Maßnahmen im Bereich der Seniorenarbeit an.

Die Bevölkerungsentwicklung der älteren Menschen im Kreis Düren war bereits im Jahr 2006 Anlass, die Koordinationsstelle „Pro Seniorinnen und Senioren im Kreis Düren“ einzurichten und die Seniorenarbeit zu einer dauerhaften Pflichtaufgabe zu erklären. Organisatorisch zugeordnet ist sie dem Amt für Demografie, Kinder, Jugend, Familie und Senioren. Die mit zwei sozialpädagogischen Fachkräften besetzte Koordinationsstelle bietet Beratung, Fortbildung und Hilfe rund um das Thema Alter an und unterstützt bei der Initiierung von niederschwelligen Angeboten und neuen Projekten der Seniorenarbeit. Ziele der Seniorenarbeit, die im Kreis Düren beständig verfolgt werden, lauten:

  •  Verbesserung der Lebenssituation älterer Menschen im Kreis Düren,
  •  Vernetzung der bestehenden Dienste und Einrichtungen der Seniorenarbeit,
  •  Entwicklung von Handlungsempfehlungen an die Politik im Kreis Düren.

Bereits im Jahr 2009 entwickelte die Koordinationsstelle in Kooperation mit verschiedensten Trägern der Senioreneinrichtungen, Wohlfahrtsverbänden und Kirchen sowie den in der Interessengemeinschaft Seniorenarbeit im Raum Düren-Jülich (ISaR) vernetzten Institutionen und älteren Bürgern des Kreises Düren ein Leitbild zur Seniorenpolitik im Kreis Düren. Im Sommer 2010 wurde dieses Leitbild in Form einer Broschüre vom Kreistag verabschiedet. Im Rahmen der jährlichen Jahresplanung der ISaR werden die im Leitbild formulierten Ziele stetig überprüft und weiterentwickelt.

Vernetzung der bestehenden Dienste und Einrichtungen der Seniorenarbeit

Das besondere Markenzeichen der Koordinationsstelle ist die Vernetzung von Diensten und Einrichtungen in der seit 2002 bestehenden Interessengemeinschaft ISaR. Die Unterstützung und Koordination der ISaR ist ein Schwerpunkt in der Arbeit der Koordinationsstelle. Hier wurde eine Organisationsstruktur geschaffen, der sich mittlerweile mehr als 300 Institutionen und ca. 1.700 Einzelpersonen angeschlossen haben und die ein bedeutsames Kontakt- und Informationsforum für diese darstellt.

Sämtliche Belange der ISaR werden in den monatlichen Treffen der ISaR-Kerngruppe – dem Steuerungsinstrument der ISaR – besprochen, entschieden und geplant. In der Kerngruppe ist jeweils mindestens ein Sprecher der Themengruppen und die wichtigsten Kooperationspartner vertreten.

Zweimal im Jahr findet eine öffentliche Vollversammlung als Fachtagung, das ISaR-Plenum, statt. Zu diesen Veranstaltungen, deren Programme von seniorenrelevanten Themen geprägt sind, erscheinen inzwischen regelmäßig ca. 140 Senioren sowie haupt- und ehrenamtliche Multiplikatoren der Seniorenarbeit. Ein wichtiger Tagesordnungspunkt ist dabei auch immer die Vorstellung von drei ISaR-Mitgliedereinrichtungen zur besseren Transparenz unter den Anbietern.

15 Jahre ISaR – „Wir können was bewegen”

Am 27. Februar 2018 fand außerdem das 27. ISaR-Plenum als Jubiläumsveranstaltung unter dem Motto „15 Jahre ISaR – Wir können was bewegen” statt. Referent des gleichnamigen Impulsreferates war Franz Müntefering, Vorsitzender der BAGSO e.V. (Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen). Auch vor diesem Hintergrund ist festzustellen, dass die Senioren von heute aktiv und engagiert sind und sich verschiedenste Angebote und Betätigungsfelder wünschen, in die sie sich mit ihren Erfahrungen und Ressourcen einbringen können.

Ein Beitrag von: Elke Ricken-Melchert, Leiterin des Amtes für Demografie, Kinder, Jugend, Familie und Senioren, Kreis
Zuerst erschienen in: Der Landkreis 3/2018

Quelle: www.demografiewerkstatt-kommunen.de

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