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Die schönen Seiten des Internet - Basiszahlen für Deutschland 2012

"Von wegen Ältere verschwinden im weltweiten Netz, weil sie versehentlich die Tasten 'Alt + Entf(ernen)' gedrückt haben." Mit diesen Worten kommentierte die agile 85-jährige Ilse Siebert-Oehlrich aus Wiesbaden sieben Jahren ihre Auszeichnung als älteste Teilnehmerin unserer Internetkurse für Seniorinnen und Senioren. Weniger als 6 Prozent der Frauen in der Altersgruppe 70plus nutzten 2006 das Internet.

Im Jahr 2012 waren nach Angaben des (N)ONLINER Atlas[1] fast 76 Prozent der Bevölkerung in Deutschland über 14 Jahre im Internet mehr oder weniger aktiv. Innerhalb von zehn Jahren ist das Internet zum Alltagsmedium für gut 53 Millionen Menschen geworden. Der Zuwachs war aber mit mageren 0,9 Prozentpunkten der geringste jemals gemessene Wert. Ist der Boom beendet? Werden die über 17 Millionen Offliner auch zukünftig weder beruflich noch privat die vielfältigen Informations-, Kommunikations- und Beteiligungsmöglichkeiten im Internet nutzen wollen oder können?

Bei den 14- bis 49-Jährigen scheint die Sättigungsgrenze erreicht: Mehr als 90 Prozent der Frauen und fast 95 Prozent der Männer sind online. Signifikante Zuwächse um drei Prozentpunkte verzeichneten daher "nur" noch die Altersgruppen ab 50 Jahren: Mit knapp 47 Prozent sind nicht einmal die Hälfte der Frauen, aber fast zwei Drittel der Männer (63,7 Prozent) im Internet.

In den östlichen Bundesländern (Ausnahme: Berlin) und im Saarland liegt der Anteil der sogenannten "überzeugten" Offliner bei über 25 Prozent. Den geringsten Wert mit 17,3 Prozent weist Berlin auf, gefolgt von Bremen und Hamburg sowie dem ersten Flächenland in dieser Reihe: Baden-Württemberg (18,9 Prozent). Damit erhalten wir einen weiteren Hinweis auf die Merkmale der Nichtnutzung in Deutschland: Während die Nutzung in Orten mit 5.000 bis 50.000 Einwohnern steigt, nimmt sie in Landgemeinden und ländlichen Kleinstädten ab. Und der Nutzungsanteil in der Gruppe mit formal einfacher Bildung stagniert ebenso wie in größeren Haushalten, bei Berufstätigen und bei einem Einkommen über 1.000 €.

Außenseiter und Gelegenheitsnutzer

In der Studie "Digitale Gesellschaft" [2] beschreibt die Initiative D21 seit 2009 jährlich sechs Nutzertypen im Hinblick auf ihre Kompetenz und ihr Wissen zu IT-Anwendungen, die technische Ausstattung, Nutzungsgewohnheiten sowie die grundlegenden Überzeugungen und Haltungen zu technischen Angeboten und Entwicklungen. Nur 38 Prozent waren 2011 digital souverän: Sie können umfassend die Angebote und Möglichkeiten privat und beruflich nutzen. Die dazu gehörenden Trendnutzer (21 %), digitalen Profis (12 %) und die digitalen Avantgardisten (5 %) sind Mitte dreißig, mehrheitlich männlich mit mittlerer bis hoher formaler Bildung, berufstätig mit höherem Einkommen und leben weniger in Singlehaushalten als in Partnerschaften und Familien.

Den höchsten Altersdurchschnitt mit 62,5 Jahren weisen die digitalen Außenseiter auf, die zusammen mit den Gelegenheitsnutzern (46,5 Jahre) und den Berufsnutzern (47,8 Jahre) die mit 61 Prozent große Gruppe der "digital wenig Erreichten" bilden. Sie sind mit 26 Prozent nach den Gelegenheitsnutzern (28 %) die zweitgrößte Gruppe (Berufsnutzer: 7 %): 73 % der digitalen Außenseiter sind nicht berufstätig. Mit geringer formaler Bildung und geringem Einkommen sehen diese Menschen keinen Vorteil in digitalen Medien, zeigen große Zurückhaltung gegenüber technischen Neuheiten und reagieren auf die gebotene Vielfalt eher ängstlich. Die Folge sind eine sehr eingeschränkte Nutzung und ein geringer Wissensstand. Das Leben in Ein- bis Zweipersonenhaushalten bietet darüber hinaus nur wenige Erfahrungsmöglichkeiten im privaten Umfeld.

Internet erfahren

Ältere Frauen und Männer haben in ihrem Leben eine Vielzahl technologischer Neuerungen erfahren: Vor 1939 Geborene zählen zu einer frühtechnischen Generation, die noch viel mit den Händen arbeitete [3]. Den Generationen "Waschmaschine" und "Fernseher" folgte ab 1964 die Computer- und Internetgeneration mit der epochemachenden Digitalisierung des Alltags. Mit den Technikerfahrungen der bis 1949 Geborenen ist die neue digitale Welt nicht mehr zu erschließen und der Computer wird als "fremd" wahrgenommen.

Damit wird ausgerechnet das, was die vielen Internetbegeisterten schätzen, zur Barriere für Ältere: viel Information, schnelle Veränderung, wenig Struktur, fremdartige Zeichen und Bilder, unverständliche Begriffe. Die Herausforderung besteht also darin, die vorhandenen Technikerfahrungen und -kenntnisse älterer Frauen und Männer für die Gestaltung und Inhalte von Angeboten im Internet zu erschließen. In der Weiterbildung und der Öffentlichkeitsarbeit müssen die realen Lebens- und Erfahrungswelten aufgegriffen werden, damit die Internet- und Medienkompetenz erhöht werden kann.

Das Internet für alle wird erst dann möglich sein, wenn tatsächlich alle Alters- und Bevölkerungsgruppen die vielfältigen Informations-, Kommunikations- und Beteiligungsmöglichkeiten für sich nutzen und gestalten können.
Mit der Initiative "Internet erfahren" des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) haben wir gemeinsam mit der BAGSO Service GmbH und der Stiftung Digitale Chancen seit 2009 gezielte und passgenaue Angebote für unterschiedliche Zielgruppen erprobt und erfolgreich durchgeführt. Dabei stehen der persönliche Nutzen und der voraussetzungslose, individuelle Zugang zum Internet in lebensweltnahen Erlebnis- und Erfahrungsräumen im Vordergrund.
Weitere Informationen unter www.internet-erfahren.de .

Die Ergebnisse der Projekte und weitere Beiträge aus Wissenschaft, Marktforschung, Unternehmen und der Sicht der Generation 50plus im Internet sind in "Die Alten und das Netz"[4] veröffentlicht.

Birgit Kampmann, Geschäftsführerin des Kompetenzzentrums Technik-Diversity-Chancengleichheit, entwickelt und leitet Projekte zur digitalen Integration und Medienkompetenz.

(Der Artikel erschien in den BAGSO Nachrichten 01/2013. Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Bundesarbeitsgemeinschft der Seinioren Organisationen)

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[1] Initiative D21: (N)ONLINER Atlas 2012. Basiszahlen für Deutschland. Eine Typografie des digitalen Grabens durch Deutschland. Nutzung und Nichtnutzung des Internets, Strukturen und regionale Verteilung, Berlin 2012, www.nonliner-atlas.de

[2] Initiative D21: Digitale Gesellschaft 2011. Die digitale Gesellschaft in Deutschland – Sechs Nutzertypen im Vergleich

[3] Vgl. Sackmann, Reinhold (1996): Technik und Generationen – Technikgenerationen. In: Gräbe, Sylvia (Hg.): Vernetzte Technik für private Haushalte. Intelligente Haussysteme und interaktive Dienste aus Nutzersicht, Frankfurt/New York 1996, S. 15 – 33

[4] Kampmann, Birgit/Keller, Bernhard/Knippelmeyer, Michael/Wagner, Frank (Hrsg.): Die Alten und das Netz. Angebote und Nutzung jenseits des Jugendkults. Strategien zur Gewinnung der Zielgruppe 50plus für das Internet, Wiesbaden 2012, 360 Seiten, ISBN: 978-3-8349-2859-7

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