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Fünf Karriere-Hacks vom Women-MINT-Slam 2016

Erfolg ist immer persönlich definiert – im Women-MINT-Slam "Karriere auf den Punkt gebracht" auf der women & work am 4. Juni 2016 in Bonn präsentierten fünf Slamerinnen auf witzige und kluge Weise ihre Erfolgsstrategien.

Hier die wichtigsten Karriere-Hacks der Slamerinnen:

Agnes: Die eigene Geschichte immer wieder neu zu schreiben

Was verstehen Sie denn unter Erfolg? Diese Frage stellte Agnes Uhereczky gleich zu Beginn dem Publikum. Ihre Erfahrung: Oftmals wird ein viel zu reduziertes Image vom Erfolg ermittelt, dem sie selbst lange genug hinterher gelaufen ist. Was Agnes nach ihrem Studium der Wirtschaftswissenschaften in Budapest umtrieb, war der Wunsch erfolgreich in einem internationalen Arbeitsumfeld zu arbeiten. Und es lief gut. Bald arbeitete sie in Brüssel als Consultant in den Bereichen Arbeitsmarkt, Gleichstellung und Bekämpfung von Armut und Ausgrenzung für unterschiedliche NGOs und die Europäische Union. Als sie vor der nächsten Vertragsunterzeichnung stand, wurde ihr klar, dass ihre Karriere mehr und mehr von einem „Nein, das geht leider nicht“ als von einem „Ja, das will ich“ geprägt wurde. In letzter Sekunde, direkt vor der Tür rief sie ihren Vater an. „Ich weiß, du wärst jetzt stolz auf mich, wenn ich diese Stelle bekomme, aber es geht nicht“ – Der Vater verstand nicht nur, sondern gab ihr auch einen entscheidenden Tipp: „Wenn du im Traum einen Wolkenkratzer baust, nimm viel Material.“

Und Agnes schrieb ihre eigene Geschichte mit sehr viel Material neu. Ihr wichtigster Produktivitäts-Hack: ihre beiden Jungs. Heute ist sie Mitbegründerin des Start-ups WorkLife HUB und berät Unternehmen und

Organisationen zum Schwerpunkt Work-Life-Balance. Kommunikation insbesondere auch Podcasts sind ihre Leidenschaft.

Agnes Hacks:
  • Den eigenen Erfolg selbst definieren. Wichtigstes Kriterium: glücklich mit der Arbeit zu sein.
  • Keine Angst vor Veränderung, Meinungen dürfen geändert werden – das ist agil!
  • Lernen, NEIN sagen zu sagen. Denn entweder ist etwas „Hell yeah“ oder Nein.
  • Es ist immer möglich, die eigene Geschichte neu zu schreiben.
  • Raus aus Instagram, rein in das eigene Leben.
  • Dankbar zu sein für das, was gut läuft.
  • Sich auf die eigenen Stärken konzentrieren.
  • Und ganz wichtig: Andere Frauen bei ihren Karriereschritten zu ermutigen.

Sabine: Immer auf der Suche nach einer neuen Spielwiese

Sabine Thaler, gestandene Projektmanagerin im Bereich Steam Turbinen bei Siemens hat gerade ihr 40-jähriges Jubiläum gefeiert. Und steckt nach wie vor voller Energie und Pläne. „Alter verändert, weil Wünsche sich verlagern“, so ihre Erfahrung. Was sich nicht verändert hat, ist ihre Neugier und die Suche nach neuen Impulsen. Zu ihrer Karriere als Projektmanagerin ist sie berufsbegleitend über den zweiten Bildungsweg als geprüfte Konstrukteurin und durch die Zertifizierung fürs Projekt Management gekommen. Für ihre „Spielwiese“, die Fachkarriere, ist ein Studium keine zwingende Voraussetzung.

In ihrer Karriere ist vieles zufällig entstanden. Ihre Maxime „Jetzt erst recht“ hat sich bewährt und nicht zuletzt hat sie den Steinen, die ihr durchaus in den Weg gelegt wurden, immer auch neue Impulse zu verdanken. Kreativ wie sie ist, hat sie für sich den Ansatz der „grünen Wiese“ entwickelst „Du trittst darauf, hast keine Ahnung, aber irgendwann setzt der Zeitpunkt an, an dem du das Neuland bearbeiten kannst.“ So war es, als sie spontan zum Chef gegangen ist, um ihm mitzuteilen, dass sie in die USA gehen wollte. Ein halbes Jahr später war sie dort. Ihrer technischen Karriere verdankt sie Herausforderungen, die sie über alle jemals gedachten Grenzen hinausgeschossen haben. Hier seien nur ihre langjährigen Erfahrungen in Asien (China, Japan, Korea, Thailand) genannt, mit nur Männern als Geschäftspartnern. Das war ein Kulturschock – aber nicht für sie.

Mittlerweile ist sie Mentorin und gibt ihre Erfahrungen gerne weiter. „Denn wir Frauen sind noch nicht da, wo wir hingehören“, sagt sie.

Sabines Hacks
  • Die passende „Wiese“ für sich selbst finden: kreativ sein - Fakten schaffen -Situationen nutzen.
  • Ganz wichtig: Die Entscheidungen in Einklang mit sich selbst treffen, sich selbst gut kennenlernen und dazu auch professionelle Zugänge nutzen.
  • Nicht zu viel Stress mit Konkurrenz. Neid muss man sich erarbeiten und er kann auch Ansporn sein.
  • Viel von anderen abgucken und immer lernen.
  • Nie aufhören, neue Spielwiesen zu suchen.
  • Immer wieder mal alles abschütteln, sei es durch Sabbaticals, Familienzeit - alles, was nützt.
  • Und nicht zuletzt: Macht ist erstrebenswert. Macht heißt, gestalten zu können.

Christine: Boss oder Leader

Warum Christine Serrette BWL und kein MINT-Fach studiert hat? Weil sie väterlich beraten wurde und es ihr als eine gute Allround-Ausbildung erschien. Erst bei der Diplomarbeit hat sie ihr Thema entdeckt: „Auswirkungen moderner Kommunikationstechnologien auf die Arbeitswelt“. Der Grundstein für die IT war gelegt und dem Karrierestart als Business Analyst „Groupware“ in Hamburg stand nichts mehr im Wege.

Dann nach Frankreich geheiratet und 1999 zu einer Schweizer Versicherung gegangen. Ohne zu bedenken, dass in der Schweiz die Frauen das Wahlrecht erst 1971 bekommen hatten.  Was tun, wenn die Kultur so gar nicht zu einem passt? Zunächst kam Kind Nummer zwei und dann der Wechsel zu Logitech. „Toller Job, tolle Unternehmenskultur“. Sie sagte zu ihrem Chef, dass die USA doch eigentlich reizvoll seien und ging kurz darauf als Global IT Manager vier Jahre ins Silicon Valley. „Sehr sonnig, super Erfahrung“, ein komplett gemischtes Team mit vielen internationalen Kolleginnen und Kollegen zu leiten. „Viel Arbeit, viel Erfolg“.  Zurück in Deutschland bei BWI Systeme zum ersten Mal die Erfahrung, in Führungskreisen so gut wie allein unter Männern zu sein. Eine geflügelte Begrüßung mittlerweile: „Guten Tag Frau Serrette, meine Herren“. Dafür wurde ihr zum ersten Mal der nächste Karriereschritt als Hauptabteilungsleiterin angetragen, ohne dass sie selbst aktiv werden musste.

Wie sie ihre Karriere geplant hat? Für sie hat sich der 5 Jahres Rhythmus angeboten, um sich zu verändern. Anfänglich hatte sie keine Vorstellung davon, dass der Weg über Amerika ins Rheinland führen würde. Wichtig ist ihr die Personalführung und zwar als „Leaderin“. Sehr klar dabei ist für sie: die Menschen, mit denen sie arbeitet, erweitern ihren Horizont.

Christines Hacks:
  • Frauen können eine Familie ernähren. Und Männer können tolle Väter sein.
  • Klären, was Führung für einen selbst bedeutet und mal im Internet nach „Boss“ und „Leader“ suchen.
  • Einen guten Rhythmus finden, um zu schauen, was der nächste Karriereschritt sein könnte.
  • Wichtiger als die die Frage „Kann ich das?“ ist die Frage „Reizt und interessiert mich die Aufgabe? Lernen, wie es geht, kommt danach.
  • Unterschiedliche Unternehmenskulturen ausprobieren.
  • Und nicht zuletzt: Ja, Ja. Führung bringt Spaß. Mal am Rad drehen gehört dazu

Anna: Balance zwischen Führung und Motivation

Für Anna Domascan ist Führung keine Frage des Alters, sondern vielmehr der Fähigkeit zu motivieren. Nach dem Abschluss des Studiums der Wirtschaftswissenschaften mit Studienbereich Technology, Innovation and Entrepreneurship bewarb sie sich vor zwei Jahren auf das Traineeprogramm der FDM Group in den Bereichen Application Support und Financial Application Support, wo sie mittlerweile als Trainerin für Projektmanagement zukünftige IT-Consultants ausbildet.

Für viele ist sie das erste Gesicht der Firma. Ihre Hauptaufgabe sieht sie darin, die Trainees jeden Tag zu motivieren, aus sich herauszukommen und die Neugierde zu wecken für die vielfältigen Karrieren in der IT.

Was sie selbst motiviert ist die Abwechslung. Das Trainingsprogramm ist stets im Wandel mit immer neuen Inhalten. Sie hat viel mit neuen Menschen zu tun, die sie als Trainerin viel näher und persönlicher kennenlernt als vielleicht andere Kolleg/innen. Besonders freut es sie, die Fortschritte der Trainees zu verfolgen und deren Erfolge mitzufeiern.

Ihre Devise: „Offen sein: wir wissen nie, was als Nächstes kommt; wenn wir allerdings offen dafür sind, bekommen wir das, was wir brauchen“. Oft wird beim Kaffeeholen in der Küche aus einem Small Talk mit den jungen Kollegen und Kolleginnen ein offenes Gespräch über ganz unterschiedliche Anliegen aus dem Arbeitsleben. Dann ist sie nicht nur als Trainerin gefragt, sondern auch als Mentorin und Kollegin.

Annas Hacks für führungsstarke Trainerinnen:
  • Als Trainerin dafür zu sorgen, dass alle fit für den Job sind und neugierig bleiben (Brille)
  • Nur Sachinhalte vermitteln reicht nicht. Als Mentorin zuhören und Erfahrungen weitergeben (Hut)
  • Als Kollegin mal fragen „Wie kann ich helfen?“ (Schal)

Beate: Bodenständig und weltoffen

Eigentlich wollte Beate Köber-Fleck Lehramt oder Medizin studieren. In der 13. Klasse war sie dann bei einem sehr guten Berufsberater beim Arbeitsamt, der sie auf die Idee brachte, Agrarwissenschaften zu studieren. Vorher hatte sie noch nicht einmal gewusst, dass es diesen Studiengang überhaupt gibt. Es war und ist für sie die optimale Kombination aus dem, was sie bereits kannte (Landwirtschaft) und dem, was sie dazu lernen wollte (Technik und Ökonomie).

Im Slam war die Gewinnerin des Slams in ihren Gummistiefeln ganz in ihrer Wohlfühlzone und ihrem Element. Denn von klein auf hat sie mit der Landwirtschaft gelebt. Ihr Vater tat ganz einfach so, als ob seine zweite Tochter der erhoffte Hofnachfolger sei. Also kam nach dem Lego Technic Spielzeug mit vierzehn Jahren sehr schnell der Trecker. Etwas später dann das Mähdrescherfahren. Rollenbilder waren auch ihr schon früh ziemlich egal. So hatte sie als einziges Mädchen eine gute Zeit in der Jugendfeuerwehr und hat dort viel von den Jungs gelernt.

Daheim blieb sie aber nicht. Als Studentin zog es sie u.a. ins muslimisch geprägte Tatarstan, ohne sich vorab zu viel Gedanken zu machen. Es waren herausfordernde Erfahrungen, kulturelle Unterschiede klug auszugleichen. So wollte sie gerne auf die Mähdrescher, was gar nicht in das Frauenbild ihrer Gastmutter Albina passte. Der Kompromiss war dann, mit Kopftuch Mähdrescher zu fahren.

Beim Übergang Studium-Beruf war Beharrlichkeit gefragt: Mit der ersten Bewerbung hat sie auch direkt die erste Absage einkassiert. Unter anderem wegen ihren Aufenthalten in Russland kam sie dann  in das Trainee Programm der Fa. CLAAS. Nach einer Traineestation in Usbekistan  fand sie Perspektiven im Supply Chain Management und hat derzeit ihre erste Führungsaufgabe im Projektmanagement der Produktstrategie inne. Gar nicht so einfach für sie, von der Kollegin zur Projektleitung zu werden. Führte aber nicht dazu, dass es keinen Spaß mehr zusammen gibt. Die gemeinsame Frauenfußballgruppe des Teams gibt es immer noch.

Beates Hacks:
  • Die eigenen USPs (Unique Selling Propositions) herausstellen: Es lohnt sich, persönliche Leidenschaften und den Beruf zusammenzubringen.
  • Sprachen lernen, ins Ausland gehen!
  • Praktika über Praktika machen! Natürlich nicht die Studieninhalte vernachlässigen, aber der praxisnahe Einblick ist ganz wichtig, um den richtigen Job zu finden.
  • An der nächsten VDI-Fachtagung teilnehmen. Den Vorteil nutzen, als Frau aufzufallen und dabei fachlich auf hohem Niveau zu diskutieren.
  • Mehrere Firmen kennenlernen. In fast allen Bereichen kann es mal zur Krise kommen. Dann kann es ganz schön eng werden und es ist gut, sich breit aufzustellen.
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